Hannover
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Hannover Messe 2024: Nachhaltige Industrie mit Bioökonomie

Das Schaufenster Bioökonomie präsentiert in Halle 2 der Hannover Messe biobasierte Innovationen in hoher Dichte: 18 vom Bund geförderte Projekte informieren über ihre Forschung und Entwicklung.

„Energizing a Sustainable Industry“ ist das Leitthema der Hannover Messe 2024. Im Fokus der weltgrößten Industriemesse stehen dieses Jahr vor allem Innovationen für die nachhaltige Produktion und Energieversorgung der Zukunft. Gezeigt werden Lösungen für eine CO₂-neutrale Produktion, KI-basierte Technologien und grüne Wasserstoffproduktion. Neben Innovationen aus dem Bereich Maschinenbau, Elektro- und Digitalindustrie sowie Energiewirtschaft präsentieren Forschungseinrichtungen und Unternehmen, wie biobasierte Innovationen die Transformation der Industrieproduktion mitgestalten.

Gut besuchtes Schaufenster Bioökonomie

Im Future Hub in Halle 2, wo traditionell die neuesten Trends aus den Innovationsschmieden aus Wissenschaft und Industrie gezeigt werden, präsentieren im „Schaufenster Bioökonomie“ (Stand A35) auch in diesem Jahr Bioökonomie-Akteure ihre Innovationen. Am Gemeinschaftsstand des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) werden 18 aktuelle Forschungs- und Entwicklungsprojekte vorgestellt. Der Stand wird von den zuständigen Projektträgern der beiden Ministerien betreut, dem Projektträger Jülich (PtJ) und der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR).

Die Bandbreite der vorgestellten Lösungsansätze reicht vom Bausektor über die Energie- bis hin zur Nahrungsmittelwirtschaft. Dazu gehören effiziente Biogasanlagen, neuartige Lebensmittel, biobasierte Kunst- und Werkstoffe für die Bau-, Verpackungs- und Automobilindustrie sowie nachhaltige biobasierte Textilien. Highlight zum Messeauftakt: Bei ihrer Tour durch die Hannover Messe machte Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger auch beim „Schaufenster Bioökonomie“ Station und informierte sich über die präsentierten Innovationen.

Innovative Ansätze aus der Bioökonomie-Forschung

Wie die landwirtschaftliche Produktion von morgen aussehen könnte, zeigen Akteure der BMBF-Fördermaßnahme „Agrarsysteme der Zukunft“. Zwei der insgesamt acht Forschungskonsortien und das Team der Koordinierungsstelle sind mit Exponaten vor Ort. DAKIS steht für ein digitales Wissens- und Informationssystem für die Landwirtschaft.  Als Exponat präsentieren die Forschenden die Funktion der webbasierten App EROSPOT, mit der sich geeignete Standorte für Erosionsschutzmaßnahmen ermitteln lassen.

Forschende im Konsortium NOcsPS entwickeln Anbausysteme, die ohne den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel auskommen, und trotzdem hoch produktiv sind. Als Exponat stellen die Forschenden eine Drohne aus, die mit einer Multispektralkamera ausgerüstet ist. Damit lassen sich Pflanzenkrankheiten auf dem Acker frühzeitig erkennen, um sie zielgerichtet mit biologischen Mitteln bekämpfen zu können.

 „Für die Agrarsysteme der Zukunft ist es eine einmalige Chance, die digitalen Innovationen der beiden Konsortien NOcsPS und DAKIS einem internationalen Publikum präsentieren zu können. Das Schaufenster Bioökonomie ermöglicht hier einen interessanten Austausch zur Transformation der Agrarsysteme“, so Monika Schreiner, die Co-Leiterin der Koordinierungsstelle von „Agrarsysteme der Zukunft“.

Drohne
Agrarsystem

Produkte aus den Innovationsräumen Bioökonomie

Darüber hinaus sind zwei der insgesamt vier Konsortien präsent, die das BMBF im Rahmen des Programms „Innovationsräume Bioökonomie“ fördert. So präsentiert der Innovationsraum NewFoodSystems, wie in einer Indoor-Farm Vanille oder Oregano kultiviert werden können und zeigt mit Quinoa, Mungbohnen und Hanf die Vielfalt pflanzlicher Proteine sowie deren Potenzial für die Herstellung neuer Lebensmittel auf. „Diese Gelegenheit, einige unserer innovativen Projekte der Bundesbildungsministerin vorzustellen, ist einmalig. Zugleich bietet der Gemeinschaftsstand eine wichtige Plattform, die vielfältigen Themen der Bioökonomie einem breiten Publikum aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zugänglich zu machen“, so Leonie Fink vom Koordinationsbüro von NewFoodSystems.

Ein Miniatursessel aus biobasierten Garnen sowie Socken aus umweltfreundlichem Elastan präsentierten Forschende vom Innovationsraum BIOTEXFUTURE. „Wir haben hier viele spannende Kontakte im Innovationsbereich knüpfen können“, so Nicole Espey vom ITA der RWTH Aachen.

Nanotechnologie

Modellregion Bioökonomie im Rheinischen Revier

Das Innovationscluster BioökonomieREVIER – Teil des vom BMBF geförderten Forschungsverbunds Modellregion Bioökonomie im Rheinischen Revier – macht wiederum anhand einer Datensimulation Geodaten für das Rheinische Revier in Echtzeit sowie Dürreperioden sichtbar. „Das Schaufenster Bioökonomie zeigt eindrücklich die Bandbreite der deutschen Bioökonomie-Forschung. Besuchende kamen gezielt mit Fragen, für die sie biobasierte Lösungsansätze suchen – für uns ein deutliches Zeichen, dass das Interesse für nachhaltiges Wirtschaft zunimmt und ganz im Sinne des Messe-Mottos Energizing a sustainable future“, so Anke Krüger von der Koordinierungsstelle BioökonomieREVIER.

Das Kompetenzzentrum Bio4MatPro, ebenfalls Teil des Modellregion-Forschungsverbunds, präsentiert innovative Konzepte der Bio- und Nanotechnologie, darunter ein aktives Grenzflächensystem für Kunstherzen zur Reduzierung der Blutgerinnung und Unterstützung der Genesung von Patienten. „Für uns ist das Schaufenster Bioökonomie eine hervorragende Gelegenheit, unsere innovativen Lösungen einem breiten Publikum vorzustellen und wertvolles Feedback von potenziellen Partnern zu erhalten.“

Aus der BMEL-Förderung präsentiert die FNR im Schaufenster Bioökonomie unter anderem Holzwerkstoffe für den Bausektor, zum Beispiel Tonziegel, die mit Laubholz-Dämmstoffen gefüllt sind oder geschäumte Stärkefolien für die Trittschalldämmung. Für den Einsatz in verschiedenen Anwenderindustrien werden zudem Biowerkstoffe ausgestellt. Darunter sind Biokunststoffe als Bauteile für den Motorraum, Kleiderbügel aus Hopfenfasern oder 3D-gedruckte Prothesen aus Polymilchsäure (PLA).

Außerdem werden innovative Lösungen aus der Biogasbranche vorgestellt, darunter ein Modell eines Reaktors zur Methanisierung von Biogas. Er ist in der Lage, das im Biogas enthaltene CO₂ zusammen mit grünem Wasserstoff zu Methan umzusetzen, damit es ins Erdgasnetz eingespeist werden kann.